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| Die Christologie[1]
der Neuoffenbarung und das Zeugnis des Urchristentums Thomas Noack |
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Behauptung: Die NO stimme nicht mit dem NT überein Es kann nicht angehen, daß sich die Kirchen als die Erben der urchristlichen Botschaft hinstellen und in ihrer Blindheit das Gnadenangebot der Neuoffenbarung verwerfen, ja dessen biblische Grundlage generell in Abrede stellen. Deswegen will ich am Beispiel der Christologie zeigen, daß die Neuoffenbarung dem Zeugnis des Urchristentums sehr wohl entspricht. Das Material aus dem Neuen Testament und der Dogmengeschichte ist an sich bekannt; dessen Auswertung aber ist vom konfessionellen Standpunkt abhängig. Das bedeutet: Solange die Kirchen an den bis heute maßgeblichen Lehrentscheidungen des 4. und 5. Jahrhunderts festhalten wollen, werden sie die Wahrheit nicht erkennen können. Erst vom Standpunkt der Neuoffenbarung aus kann eine Neubewertung der dogmengeschichtlichen Vorgänge in der alten Kirche erfolgen. Es gehört zur Tragik der historischen Forschung, daß sie das Material zwar ausgraben, es aber nicht zur Erneuerung der Theologie einsetzen konnte. Dazu bedurfte es der Neuoffenbarung; sie gab uns das reine Verständnis der Person Jesu zurück. In dieser Einschätzung der Grenzen der historischen Theologie bestärkt mich der Kirchenhistoriker WOLF-DIETER HAUSCHILD, wenn er klarstellt: "Wie bei kaum einem anderen Thema (gemeint ist die Gotteslehre) bedingen sich die jeweilige dogmatische Position und die historische Auffassung ... Nur mit diesem Vorbehalt kann daher ... die These vorausgesetzt werden, daß die Entwicklung von Christologie und Trinitätslehre bis zur Dogmatisierung im 4./5. Jh. sowohl den Anfängen der Lehrbildung im NT als auch dem Selbstverständnis Jesu grundsätzlich entspricht."[5] Jesus Christus ist der alleinige Gott Die ersten Christen nannten Jesus Gott. Thomas sagte, als er den Auferstandenen sah: "Mein Herr und mein Gott." (Joh 20,28). Im 1. Johannesbrief heißt Jesus Christus "der wahrhaftige Gott und das ewige Leben" (1.Joh 5,20) und in der Apostelgeschichte "der Herr, unser Gott" (Apg 2,39; vgl. auch Apg 10,36). Zur Zeit des Kaisers Trajan (98 - 117) wurde IGNATIUS, Bischof von Antiochien, von Syrien nach Rom geschleppt und in der Arena von wilden Tieren zerrissen. Auf dieser Reise schrieb er sieben Briefe. Die Christen in Rom bat er eindringlich keine Schritte zu seiner Rettung zu unternehmen; denn, so schrieb er: "Gestattet mir, ein Nachahmer des Leidens meines Gottes zu sein!"[7] Dieser IGNATIUS bezeichnete Jesus mehrfach und ohne Scheu als Gott: "Ich preise Jesus Christus, den Gott"[8]. Noch eine Generation später mahnte DER PREDIGER DES 2. KLEMENSBRIEFES (um 140/50): "Brüder, über Jesus Christus müssen wir so denken wie über Gott"[9]. Selbst Außenstehende konnten nicht übersehen, daß die Christen Jesus als Gott verehrten. CAIUS PLINIUS DER JüNGERE läßt uns in einem berühmten Brief an Kaiser Trajan (um 112/3) wissen, daß die christliche Gemeinde Lieder sang für "Christus als Gott" (Christo quasi deo, Brief X,96). Die Lehre der Neuoffenbarung vom Gottsein Jesu steht also unverrückt auf dem Boden der urchristlichen Überlieferung. Jesus: das Bild oder die Ikone Gottes Der Sohnbegriff Die Christologie der Verherrlichung Jesus begann seinen Weg als Mensch. Er war "seinem Menschlichen nach ein Kind wie jedes andere Kind" (WCR 89) und mußte sich erst "durch viele Mühe und Übung ... die Würde eines Gottes erwerben" (Ev VI.90.12). Besonders eindrücklich ist dieser Weg in der Vorrede des Herrn zur "Jugend Jesu" geschildert: "Ich lebte die bekannte Zeit bis zum dreißigsten Jahre gerade so, wie da lebt ein jeder wohlerzogene Knabe, dann Jüngling und dann Mann, und mußte durch den Lebenswandel nach dem Gesetze Mosis die Gottheit in Mir, wie ein jeder Mensch Mich in sich, erst erwecken. - Ich Selbst habe müssen so gut wie ein jeder andere ordentliche Mensch erst an einen Gott zu glauben anfangen, und habe Ihn dann stets mehr und mehr mit aller erdenklichen Selbstverleugnung auch müssen mit stets mächtigerer Liebe erfassen, und Mir also nach und nach die Gottheit erst völlig unterthan machen." Dieser Prozeß der Vergöttlichung wird in der Regel nicht gesehen. Er ist aber - außer im Johannesevangelium - auch im sog. Christushymnus des Philipperbriefes (Phil 2,6-11) angedeutet. Demnach lebte Jesus wie jeder andere Mensch auch (Vers 7); dann aber, aufgrund seines Gehorsams, "hat ihn Gott erhöht[25] und ihm den Namen verliehen, der über alle Namen ist" (Vers 9). Dieses Wissen war in frühchristlicher Zeit noch vorhanden. IGNATIUS VON ANTIOCHIEN (um 110) sagte von Jesus Christus, daß er "von dem einen Vater ausging und bei dem Einen war und (zu ihm) zurückkehrte"[26]. Er erfaßte das Leben Jesu also noch mit Begriffen der Bewegung: ausgehen und zurückkehren. Daher ist auch von der doppelten Geburt oder Abkunft Jesu die Rede: "Unser Gott, Jesus, der Christus, wurde von Maria im Schoße getragen, nach Gottes Heilsplan aus Davids Samen und doch aus heiligem Geiste"[27]. Der Schuhmacher THEODOT, der aus Byzanz um 190 nach Rom kam, lehrte (in der Darstellung Hippolyts): "Jesus sei ein Mensch, aus einer Jungfrau geboren nach dem Willen des Vaters, habe gelebt wie die übrigen Menschen und sei überaus gottesfürchtig gewesen; nach der Taufe am Jordan habe er (deshalb) den Christus aufgenommen, der auf ihn in Gestalt einer Taube von oben herabkam. Daher hätten auch die (göttlichen) Kräfte nicht eher in ihm gewirkt, als bis der Geist auf ihn herabgekommen und in ihm in Erscheinung getreten sei; diesen (Geist) aber nennt er (= Theodot) den Christus."[28] Der römische Bischof CALIXTUS I. lehrte: "Nachdem der Vater im Sohne Fleisch angenommen hatte, vergöttlichte er es durch die Vereinigung mit sich und machte eine Einheit, so daß Vater und Sohn ein Gott genannt würden"[29]. Und noch PAUL VON SAMOSATA (gest. nach 272) glaubte: Jesus sei mit Gott zusammengeschlossen worden aufgrund einer stetigen Bewegung zu ihm hin, indem er denselben Willen in der Richtung auf ihn hin und dieselbe Wirkkraft durch Fortschreiten im Guten erlangte.[30] Zur Entstehung der dreipersönlichen Trinitätslehre An dieser Stelle ist ein Wort zum Prolog des Johannesevangeliums notwendig, denn dort ist von einem Logos die Rede, der schon vor seiner Fleischwerdung (Joh 1,14) bei Gott war (Joh 1,1). Doch dieser präexistente Logos ist keine Person; vielmehr ist er "das Licht" (siehe Prolog). Dieses Licht ist nach Swedenborg "das göttliche Wahre" (LH 1) und nach Lorber "der große heilige Schöpfungsgedanke" oder "die wesenhafte Idee" (Ev I.1.6). Außerdem wird der Logos mit Gott identifiziert (Joh 1,1), - nicht mit dem Sohn! Und Jesus ist folglich "der einziggeborene Gott" (Joh 1,18). Der Prolog des Johannesevangeliums ist also kein Beleg für die Präexistenz des Sohnes. Swedenborg schreibt: "Die Lehre, ein von Ewigkeit geborener Sohn sei herabgekommen und habe das Menschliche angenommen, beruht ganz und gar auf einem Irrtum" (WCR 83). Dennoch kann bei Lorber von einem "Sohn von Ewigkeit" gesprochen werden: "es kommt bald die Stunde, in der der Vater in Mir auch mit Seinem Allerinnersten vollends eins wird (Verherrlichungschristologie!) mit Mir, dem einzigen Sohne von Ewigkeit" (Ev IV.252.4). Doch dieser Sohn ist "das Licht (= das göttliche Wahre) aus dem Feuer der Liebe des Vaters" (Ev IV.252.1). Ein "Sohn von Ewigkeit" im Sinne einer zweiten göttlichen Person wird auch in den Lorberschriften als Irrtum verworfen (Ev VIII.27.1). Gleichwohl sind bei Swedenborg und Lorber die Schwerpunkte unterschiedlich verteilt; Swedenborg hat eher den heilsgeschichtlichen Aspekt der Trinität im Auge (sog. ökonomische Trinitätslehre), während uns die Lorberschriften eher den innergöttlichen Aspekt zeigen (sog. immanente Trinitätslehre). Heilsgeschichtlich bedeutet in diesem Zusammenhang, daß sich die Trinität erst im Verlauf der Heilsgeschichte oder Erlösung verwirklicht hat. Der innergöttliche Aspekt hingegen zeigt uns das von Ewigkeit her trinitarische Wesen Gottes. Beide Sichtweisen ergänzen sich; das ergibt sich schon daraus, daß auch die Lorberschriften die Verherrlichungschristologie kennen (siehe oben), und Swedenborg das göttliche Wesen als Liebe (Vater) und Weisheit (Sohn) beschreibt (WCR 37). Der heilsgeschichtliche Gesichtspunkt bei Swedenborg kommt in den folgenden Worten zum Ausdruck: "Die Trinität bestand nicht vor der Erschaffung der Welt, sondern wurde für die Zeit nach der Menschwerdung Gottes vorgesehen und verwirklicht, und zwar im Herrn, unserem Gott, dem Erlöser und Heiland Jesus Christus." (WCR 170). Bei Lorber hingegen lesen wir: "Der Vater, Ich als Sohn und der Heilige Geist sind unterscheidbar eines und dasselbe von Ewigkeit." (Ev VI.230.2). Aus den weiteren Ausführungen geht hervor, daß der Vater die "Liebe", der Sohn die "Weisheit" und der Heilige Geist der "Wille" Gottes ist (Ev VI.230.3ff). Im Hinblick auf die Logoslehre der Apologeten ist eine Stelle aus den Lorberschriften interessant, die an die ursprünglich stoische Unterscheidung zwischen "logos endiathetos" (= Gedanke; im Kopf enthaltenes Wort) und "logos prophorikos" (= Wort; ausgesprochener Gedanke) erinnert. In einem Traktat "Zur Frage der Dreieinigkeit" lesen wir: "Da aber der Vater schon von Ewigkeit her wußte, was Er tun wird, so war ja der Gottmensch Jesus auch schon von Ewigkeit her 'im Vater', manifestierte Sich aber als 'Gottmensch' erst dann leibhaftig, da Sich der Vater Selbst offenkundig ausgesprochen hatte!"[34] Die Idee der Menschwerdung ist also der logos endiathetos (das unausgesprochene Wort) und die Realisierung dieser Idee der logos prophorikos (das ausgesprochene Wort). Diese Begriffe wurden zuerst von THEOPHILUS VON ANTIOCHIEN ins Christentum aufgenommen (um 180)[35] und finden sich seitdem bei mehreren Kirchenschriftstellern. Obwohl also die Logosspekulationen teilweise durchaus richtig waren, überwucherte je länger je mehr der personale Grundgedanke (Logos = Sohn) das gesamte Feld der Lehrentwicklung. TERTULLIAN (gest. nach 220) gebrauchte "Person" bereits als trinitarischen Fachausdruck Der präexistente Sohn, von dem er ganz selbstverständlich ausging[36], war ihm die zweite Person[37] und der Heilige Geist die dritte[38]. Ferner schrieb er: "Die enge Verbindung des Vaters im Sohne und des Sohnes im Paraklet[39] bewirkt drei Zusammenhängende (tres cohaerentes), einen aus dem anderen; diese drei sind ein (Wesen), nicht eine (Person) (qui tres unum sunt, non unus)"[40]. TERTULLIANS Gedanken und Formeln sind für die abendländische Theologie maßgeblich geworden; im griechischen Osten hingegen war ORIGENES (gest. 254) die alles überragende Gestalt. Ein Hauptkennzeichen seiner Trinitätslehre ist die Betonung, daß Vater, Sohn und Heiliger Geist drei gesonderte Wesenheiten, drei Hypostasen sind, und zwar von Ewigkeit her. Eine solche Dreieinigkeit können sich menschliche Gemüter "nur als eine Triarchie (Herrschaft von Dreien)" vorstellen (WCR 171). Dementsprechend sind für ORIGENES Vater und Sohn nur noch "der Einmütigkeit, Übereinstimmung und Selbigkeit des Willens nach"[41] eins; und es bestehen "keine Bedenken, in einem Sinne von zwei Göttern, in einem anderen Sinne von einem einzigen Gott zu sprechen"[42]. Von dieser Lehre, daß der Sohn vor der Inkarnation als eine unterschiedene Person neben dem Vater existiert habe, konnte Origenes einige Bischöfe nur mit Mühe überzeugen. Einer von ihnen war BERYLL VON BOSTRA; er lehrte, "unser Erlöser und Herr habe vor seinem Erscheinen unter den Menschen nicht als ein eigenes festumrissenes Wesen präexistiert und besitze keine eigene Gottheit, vielmehr wohne in ihm nur die Gottheit des Vaters."[43] Doch diese Anschauungen konnten sich nicht mehr durchsetzen; die Drei-Hypostasen-Lehre des Origenes wurde zur Grundlage der weiteren Auseinandersetzungen, auf die ich hier nicht eingehen kann (Arius, das Konzil von Nizäa im Jahre 325, die nachkonstantinische Zeit mit der homöischen Reichskirche usw.). Vor dem die Trinitätsdebatten abschließenden Konzil von Konstantinopel im Jahre 381 formulierten die drei großen Kappadozier[44] den Schlachtruf der Orthodoxie: "mia usia - treis hypostaseis" (ein einziges göttliches Wesen in drei Hypostasen)[45]. Diese Formel könnte man gelten lassen, wenn man die Hypostasen nicht als Personen verstehen müßte. Doch die seit dem 4. Jahrhundert herrschende Trinitätslehre bevorzugte - trotz Korrekturversuche durch AUGUSTIN[46] - gerade diesen sehr problematischen Begriff. In einem Lehrschreiben des Konzils von Konstantinopel hieß es: Der schon zu Nizäa (im Jahre 325) festgestellte Glaube "lehrt uns, zu glauben an den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes, so nämlich, daß eine Gottheit, Macht und Wesenheit des Vaters, Sohnes und Hl. Geistes und ebenso gleiche Ehre, Würde und gleichewige Herrschaft geglaubt wird in drei ganz vollkommenen Hypostasen oder drei vollkommenen Personen"[47]. Im bewußten Gegensatz dazu formulierte Swedenborg: "Gott ist dem Wesen (essentia) und der Person nach Einer." (WCR 2). Vater, Sohn und Hl. Geist in der einpersönlichen Trinitätslehre
der NO Das Schlüsselwort der einpersönlichen Trinitätslehre lautet "Tres in unum!" (Drei in eins; RB II.270.8) und besagt, "daß Gott nur eine einzige Person ist, welche Person aber in Sich Selbst eigentlich sozusagen aus drei Göttern besteht." (RB II.270.8). Oder mit Swedenborg gesprochen: "Wer von der Gottheit die Vorstellung dreier (verschiedener) Personen hat, kann nicht (zugleich) die Vorstellung eines einzigen Gottes haben. Er mag zwar mit dem Munde Einen Gott nennen, denkt aber dennoch drei. Wer hingegen von der Gottheit die Vorstellung von drei in Einer Person (Trium in una Persona) hat, der kann die Vorstellung eines einzigen Gottes haben, einen Gott nennen und auch einen Gott denken." (NJ 289). Das einpersönliche Trinitätsverständnis kann sich auf johanneische Stellen (Joh 10,31; 14,9ff) und auf das berufen, was oben zum "Bild Gottes" gesagt wurde; ebenso auf einige Stimmen aus der Anfangszeit des Christentums. CALIXTUS I. lehrte: "Dieser Schöpfer des Alls, der Vater und Gott, ist einer. Er wird zwar mit dem Namen 'Sohn' bezeichnet und genannt, ist aber dem Wesen nach der eine Geist. Gott ist nämlich kein anderer Geist neben dem Logos oder der Logos (ein anderer Geist) neben Gott. - Dieser (Geist) also ist eine Person (prosopon), zwar dem Namen nach getrennt, dem Wesen nach aber nicht."[49] PAUL VON SAMOSATA war überzeugt: "Einer ist Gott der Vater und der Sohn (ist) in ihm, wie der Logos im Menschen, eine (einzige) Person (prosopon) ist der Gott zusammen mit dem Logos"[50]. Der Logos wird hier nicht als zweite Person, sondern im Sinne der Vorstellung vom logos endiathetos verstanden, der als Gottes Kraft in ihm bleibt und keine eigene Hypostase bildet. Auch MARCELL VON ANCYRA (gest. 374), den das Konzil von Konstantinopel (381) endgültig verurteilte, nachdem er im Westen lange Zeit Unterstützung fand, lehrte "eine Person"[51]. Dasselbe Zeugnis des Anfangs ertönt am Ende der Tage des ersten Christentums wieder: "Wo anders könnte da der Vater sein, als nur im Sohne, und wo anders der Sohn, als nur im Vater, also nur ein Gott und Vater in einer Person?!" (Ev VIII.27.2). Die Christologie der Neuoffenbarung steht auf dem Boden des Neuen Testamentes und frühchristlicher Zeugnisse. Wenn Kirchenvertreter dennoch immer wieder das Gegenteil behaupten, dann deswegen, weil man die Unterschiede zur "Rechtgläubigkeit" des 4. und 5. Jahrhunderts sieht; diese hält man für biblisch, folglich muß die Lehre des Neuen Jerusalems unbiblisch sein. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: Die kirchliche Gotteslehre verschüttete das urchristliche Jesusverständnis so gründlich, daß erst Swedenborg im 18. Jahrhundert kraft des Herrn diesen Augiasstall ausmisten konnte. Fußnoten: [1] Christologie wird im folgenden in einem ganz allgemeinen Sinne verwendet: Lehre von der Person und dem Wesen Christi. Im der Theologie ist ein spezieller Sprachgebrauch üblich: Christologie als die Lehre von der Gottheit und Menschheit Jesu (Stichwort: Zwei-Naturen-Lehre). zurück [2] MATTHIAS PöHLMANN, Lorber-Bewegung - durch Jenseitswissen zum Heil?, Konstanz 1994, Seite 44. Vgl. auch das Urteil auf Seite 130: "Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Grundzügen der 'Neuoffenbarung' hat vielerlei Widersprüche zur Bibel zu Tage gefördert. Nach christlich-theologischem Urteil kann das Werk Lorbers schon von daher nicht göttlichen Ursprungs sein." zurück [3] ANDREAS FINCKE, Jesus Christus im Werk Jakob Lorbers. Untersuchungen zum Jesusbild und zur Christologie einer "Neuoffenbarung", Halle 1991, Seite 180 (im Manuskript). zurück [4] HANS-JüRGEN RUPPERT, Swedenborg, Mun und der Dispensationalismus, in: Materialdienst der EZW 59 (1996) 52. zurück [5] WOLF-DIETER HAUSCHILD, Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte, Band 1, Gütersloh 1995, Seite 5. Die Heraushebungen in Kursivschrift stammen von mir. zurück [6] In der Neuoffenbarung wird das Tetragramm JHWH "Jehova(h)" gelesen. Meist liest man heute jedoch "Jahwe". zurück [7] Ignatius an die Römer 6,3. zurück [8] Ignatius an die Smyrnäer 1,1. Weitere Stellen: "unser Gott, Jesus, der Christus" (Epheser 18,2), "unser Gott Jesus Christus" (Römer 3,3). zurück [9] 2. Klemensbrief 1,1. Dieser fälschlich sogenannte "Brief" ist die älteste erhaltene christliche Predigt. zurück [10] Das griechische Wort für "Bild" lautet "eikon". Davon ist unser Wort "Ikone" abgeleitet. zurück [11] In manchen Übersetzungen steht hier noch "Sohn". Die besten Textzeugen haben jedoch "Gott". zurück [12] IRENäUS VON LYON, Adversus haereses III 3,3. zurück [13] 1. Klemensbrief 36,2. Das griechische Verb "enoptrizomai" bedeutet "im Spiegel anschauen" oder auch einfach "anblicken", so daß man auch übersetzen könnte: Durch Jesus "blicken wir sein (Gottes) ... Antlitz an". zurück [14] EUSEBIUS VON CäSAREA, Kirchengeschichte, IV 14,3-8; V 20,4-8. zurück [15] TERTULLIAN, De praescriptione haereticorum, 32,2; Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte, V 20,6. zurück [16] IRENäUS VON LYON, Adversus haereses, IV 6,6. zurück [17] Jesus als die Ausstrahlung der Herrlichkeit Gottes; dieses Gleichnis erinnert an das von der Sonne (Vater) und dem Sonnenstrahl (Sohn) in der Logostheologie des Altertums. Zu beachten ist auch die Nähe zur Neuoffenbarung (GS I.60.2; HH 121). zurück [18] Ignatius an die Epheser 7,2. zurück [19] Zu Swedenborgs Definition der apostolischen Kirche siehe WCR 174. zurück [20] BERNHARD LOHSE, Epochen der Dogmengeschichte, Stuttgart 1986, Seite 41. zurück [21] Vorphilosophisch deswegen, weil es noch nicht von der Logoschristologie beeinflußt war. zurück [22] HIPPOLYT, Widerlegung aller Häresien, IX,12. Die Anschauungen Calixtus I. können nur aus den Widerlegungen seines Gegners Hippolyt von Rom (gest. 235), der eine subordinatianische Logostheologie vertrat, entnommen werden. zurück [23] HIPPOLYT, Widerlegung aller Häresien, X,27. zurück [24] TERTULLIAN, Adversus Praxean 27. zurück [25] Die Erhöhung ist auch ein zentrales Motiv des Johannesevangeliums, weswegen man statt von Verherrlichungschristologie auch von Erhöhungschristologie sprechen kann. zurück [26] Ignatius an die Magnesier 7,2. zurück [27] Ignatius an die Epheser 18,2. Ebenso im Brief an die Smyrnäer 1,1: Jesus Christus, "der wirklich aus dem Geschlecht Davids stammt nach dem Fleische, Sohn Gottes nach Gottes Willen und Macht". zurück [28] HIPPOLYT, Widerlegung aller Häresien, Buch VII,35. zurück [29] HIPPOLYT, Widerlegung aller Häresien, Buch IX,12. Für "vergöttlichen" verwendet der griechisch schreibende Hippolyt "theopoieo" (= göttlich machen). zurück [30] Nach ADOLF MARTIN RITTER in: Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte, herausgegeben von Carl Andresen, Band I, Göttingen 1982, Seite 131. (HDThG) zurück [31] Logos (grch.) bedeutet "Rede", "Wort", "Grund", "Vernunft" u.ä. Es ist gewissermaßen das Grundwort der griechischen Philosophie und gewann durch den Johannesprolog und die Logoschristologie auch für das Christentum grundlegende Bedeutung. zurück [32] Belege zur Identifikation des Sohnes mit dem Logos und zur damit verbundenen Präexistenzverlagerung: "Sein (= Gottes) Sohn dagegen, der allein im eigentlichen Sinne Sohn genannt wird, der Logos, der vor den Geschöpfen bei (ihm) war und der gezeugt wurde, als er am Anfang durch ihn alles schuf und ordnete, wird Christus genannt, weil er gesalbt ist" (2. Apologie 6). "Tryphon sagte: ... Du (= Justin) erklärst, dieser Christus präexistiere als Gott vor den Äonen" (Dialog mit Tryphon 48,1). zurück [33] JUSTIN, Dialog mit Tryphon 56,11. zurück [34] Himmelsgaben II (1.Aufl. 1936), Seite 67. Aus dem Traktat "Zur Frage der Dreieinigkeit". zurück [35] "Gott, der seinen Logos in seinem eigenen Innern ruhend trug (endiatheton), zeugte ihn, indem er ihn vor allen andern Dingen mit seiner Weisheit heraustreten ließ." (An Autolycus 2,10). "Als Gott aber alles, was er beschlossen hatte, schaffen wollte, zeugte er diesen Logos als heraustretenden (prophorikon) ..., ohne daß er dabei den Logos einbüßte; vielmehr zeugte er den Logos und blieb mit seinem Logos ständig in Gemeinschaft." (An Autolycus 2,22). zurück [36] Beleg: "Wir glauben ..., daß nur ein Gott sei, daß es jedoch ... auch einen Sohn dieses einzigen Gottes gebe, seinen eigenen Logos (sermo), der aus ihm selbst hervorgegangen ist, durch den alle Dinge gemacht worden sind und ohne den nichts gemacht worden ist. (Wir glauben, daß) dieser (Sohn) vom Vater in eine Jungfrau gesandt und aus ihr geboren sei ..." (Adversus Praxean 2,1). zurück [37] Beleg: "Ja, weil ihm (dem Vater) bereits der Sohn, sein Wort als zweite Person (secunda persona), beigesellt war und als dritte der Geist im Wort, deshalb sagte er in der Mehrzahl 'Laßt uns machen', 'unser' (Gen 1,26) und 'uns' (Gen 3,22)." (Adversus Praxean 12,3). zurück [38] Beleg: "Beachte, wie der Geist als dritte Person (ex tertia persona) vom Vater und vom Sohne spricht" (Adversus Praxean 11). zurück [39] Bezeichnung für den Heiligen Geist in den johanneischen Abschiedsreden; meist mit "Tröster" oder "Beistand" übersetzt. zurück [40] TERTULLIAN, Adversus Praxean 25. zurück [41] ORIGENES, Gegen Celsus VIII,12. zurück [42] ORIGENES, Disputation mit Heraclides 3. In "Gegen Celsus" V,39 nennt Origenes den Sohn "der zweite Gott". zurück [43] EUSEBIUS, Kirchengeschichte VI,33,1. zurück [44] Basilius der Große, Gregor von Nyssa und Gregor von Nazianz. zurück [46] In "De trinitate" distanzierte sich Augustin nach Möglichkeit von den drei Personen, die er nur übernahm, "damit man nicht in Sprachlosigkeit versinkt" (V 9,10). Augustin fühlte sich jedoch mit der katholischen Kirche innerlich so stark verbunden, daß er - nach Nizäa und Konstantinopel! - das Ruder nicht mehr herumreißen konnte und wollte (vgl. auch GS I.65.2ff). zurück [47] zitiert nach HDThG I,213. zurück [48] Swedenborg weiter: "Somit gibt es ein (einziges) Göttliches und dennoch eine Dreiheit (Trinum)" (O.E. 183). zurück [49] HIPPOLYT, Widerlegung aller Häresien, Buch X,27. zurück [50] Das Zitat entnehme ich FRIEDRICH LOOFS, Leitfaden zum Studium der Dogmengeschichte, Tübingen, 1968 (Nachdruck), Seite 171. zurück |
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| veröffentlicht in: Das Wort 1 (1997) 13-27 und Offene Tore 6 (1997) 245-259 | |||||||